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Eberndorf

Die Todesstrecke – und dann wurde es ganz still!

Auf der Mittlerner Landestraße erinnern zahlreiche Kreuze an die Verstorbenen ©VK24

Die Mittlerner Landesstraße, der Straßenverlauf der Gemeinde Eberndorf zwischen Kühnsdorf und Mittlern, ist bei vielen bekannt als die „Todesstrecke“. Wir haben um uns ein Bild davon gemacht und haben Leute zu diesem Thema interviewt.

Immer wieder passieren an der Mittlerner Landesstraße Verkehrsunfälle. Es hat sich aber, seit den letzten tödlichen Unfällen einiges getan. Es wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen angebracht und Abschnitte teils entschärft. Aber auch die Polizeikontrollen und die Vorsicht der Lenker tragen maßgebend dazu bei.

Auszüge der tödlichen Verkehrsunfälle

Mitte Dezember 2010 kam es kurz vor 5 Uhr zu einem tragischen Verkehrsunfall. Ein 49-jähriger Unteroffizier, der mit einem Pinzgauer unterwegs war, wurde bei einem frontalen Zusammenstoß mit einem Milchtransporter schwer verletzt. Er musste aus seinem Wagen mittels Bergeschere befreit werden und verstarb vier Stunden später im UKH Klagenfurt.

49-jähriger Unteroffizier verstarb wenige Stunden nach dem Verkehrsunfall auf der „Todesstrecke“

Heuer jährt sich der Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang, bei dem zwei Mädchen aus der Gemeinde Bleiburg starben, zum zehnten Mal. Es hätte ein lustiger Abend werden sollen. Am 21. November 2008 gegen 23:15 Uhr kam die Wende. Aufgrund der eisglatten Fahrbahn kam der damals junge PKW-Lenker in Schleudern. Ein ihm entgegenkommendes Fahrzeug konnte nicht mehr ausweichen und krachte frontal in den roten Golf. Sarah und Melanie, die zwei 16-jährigen Mädchen die auf der Rückbank saßen, starben vor Ort an ihren schweren Verletzungen. 

2006 starb eine 17-jährige Frau aus Slowenien. Sie war mit ihrem Freund auf der Mittlerner Landesstraße unterwegs gewesen. Der PKW geriet ins Schleudern und prallte daraufhin frontal in einen Baum. 

Am 31. Dezember 1984 feierte eine große Gruppe an Freunden in einer Diskothek in Mittlern den Silvesterabend. Es geschah das Unfassbare. Die damals 17-jährige Martina fuhr mit drei anderen Personen von der Party weg. Durch Glatteis kam das Auto ins Schleudern, Martina, die am Rücksitz saß, wurde bei dem Unfall aus dem Auto geschleudert und verstarb am 7. Jänner 1985 aufgrund ihrer schweren Verletzungen.

Im Interview

Wir haben Leute zum Thema „Todesstrecke Mittlern“ befragt.

Ich hatte selbst dort vor Jahren einen Verkehrsunfall der, Gott sei Dank, glimpflich ausging. Ich war nicht zu schnell und alkoholisiert erst recht nicht. Auf einmal war da was, das Gefühl ist für mich heut noch unbeschreiblich. Und dann hat’s schon gekracht. 
41-jähriger Mann aus dem Bezirk

Es ist ja nicht so als wär hier erst ein einziges Mal wer gestorben, durch Zufall. Ich kann mich an vier Mädchen erinnern, die da starben. Es war tragisch, auch wenn man sie nicht persönlich gekannt hat. Meine Mutter hat damals schon zu mir gesagt: „Dirndle pass auf, wenn dort fahrst, nit das es dich auch noch dawischt“. Ich fuhr diese Strecke täglich und es war immer ein Fünkchen Angst dabei.
52-jährige Frau aus der Gemeinde Bleiburg

Die Leute reden halt und was da schon alles passiert ist, ist ein Wahnsinn. So viele mussten dort ihr Leben lassen. Da hat sich mit der Zeit der Name Todesstrecke eingebürgert. 
70-jähriger Mann aus der Gemeinde Eberndorf

Wir sprachen mit dem Polizeibeamten der Polizeidienststelle Eberndorf Heiko Lipusch über die Verkehrsbedingungen der Mittlerner Landesstraße. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Verkehrsunfälle massiv zurück gegangen. Wir haben nach wie vor immer wieder Unfälle, auch mit Verletzten, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie vor 15-20 Jahren„, so Lipusch. Laut Polizei werden Alkoholisierung, die überhöhte Geschwindigkeit und die oft unterschätzen Winterverhältnisse als aktuelle Gründe für die Verkehrsunfälle der vergangenen Jahre genannt. Des weiteren kommt das momentane Baustellenproblem auf der Mittlerner Landesstraße dazu. „Die Autofahrer sind dort angehalten langsamer fahren. Es wurden dort Massen an Schotter- und Erdmassen bewegt und der Baustellenverkehr war auch enorm“, erklärte Lipusch.

Der ehemalige Abschnittsfeuerwehrkommandat Siegfried Tschemernjak teilte uns auch seine Erlebnisse mit. „Es ist für mich unerklärlich, warum genau auf diesem Streckenabschnitt so viele tödliche Verkehrsunfälle passiert sind.“ Er erzählte, dass er bei vielen schweren Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang mit seinen Kameraden der Feuerwehr vor Ort war um Hilfe zu leisten. „Jedes mal, wenn ich auf dieser Straße fahre, werde ich wieder an die Geschehnisse erinnert. Ich appeliere an jeden, lieber ein paar Minuten früher weg zu fahren um Sicher an das gewünschtes Ziel zu kommen„. Siegfried Tschemernjak war von 1994 bis 2015 Feuerwehrkommandant des Abschnitts Jauntal.

In memoriam

Egal unter welchen Umständen diese tragischen, tödlichen Verkehrsunfälle passierten, eines ist klar. Durch den Verlust der Menschen, die dort ihr Leben lassen mussten, fehlt bei deren Familien ein Teil. Ein Stück, dass jedem einzelnen genommen wurde. Tot ist aber nur – wer vergessen wird. 

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