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#GegenHassimNetz: VK24 lässt die Profis des Bezirkspolizeikommandos zu Wort kommen

Seit September 2017 betreibt der Verein Zara im Auftrag der Bundesregierung die Beratungsstelle #GegenHassimNetz, aber auch im Bezirk Völkermarkt wird stark gegen das breitgefächerte Netzwerk des Cybermobbings vorgegangen. VK24 hat sich mit dem Leiter vom Präventionsbüro des Bezirkspolizeikommandos Völkermarkt und Sicherheitsbeauftragten auf Bezirksebene, Günther Kazianka, sowie dem Leiter des Kriminalreferates Rudolf Stiff über dieses prekäre Thema unterhalten. Sie verraten wie Betroffene damit umgehen können, welche Strafen den Tätern drohen und wie Eltern vorgehen können.

Mit einem Klick ist man mittendrin statt nur dabei. Das Internet löste vor Jahren nicht nur etliche Lexika ab, sondern bei vielen auch den sozialen, menschlichen Kontakt. Daraus resultierte eine Welt, in der es wie in der realen auch gut und böse gibt. Mit dem bitteren Beigeschmack das Hass kein Gesicht hat. Lügenstories und Hasskommentare machen einen respektvollen Austausch im Internet bereits unmöglich. Aber lassen wir die Experten sprechen…

Jedes einzelne Hassposting ist eines zu viel. Vieles passiert im Stillen und wird oft gar nicht zur Anzeige gebracht. Hasspostings basieren auf Gerüchten und Lügen. Oft werden auch gefälschte Bilder eingesetzt, um Stimmung gegen bestimmte Personen und Gruppen zu machen. Hier sollte auch die Scham durchbrochen und mehr Zivilcourage gezeigt werden.

Günther Kazianka, Leiter des Präventionsbüros

Wird man Opfer oder Zeuge so einer Tat, kann bei jeder Polizeidienststelle im Bezirk Völkermarkt Anzeige erstattet werden. „Wichtig ist vorher einen Screenshot zu erstellen und die Beweise somit zu sichern.  Man muss nicht alles alleine stemmen und sollte sich Unterstützung holen. Niemand muss in Sorge oder Angst leben. Man kann sich auch an eine Beratungsstelle wenden. In dringenden Fällen rate ich aber 133 zu wählen“, weiß Günther Kazianka.

Gemeinsam.Sicher im Bezirk Völkermarkt ©Kazianka

Wie gehe ich gegen Hasspostings vor?

Kazianka rät, man könne zwar dagegenreden, dabei aber unbedingt sachlich bleiben. Vielleicht überzeugt man damit den Gegenüber nicht, aber den oder die „Mitleser“. Selbstschutz geht aber immer vor. „Wird die eigene Seite zugemüllt kann man Personen sperren oder blockieren lasen. In sozialen Netzwerken sind Hasspostings unerwünscht – tauchen trotzdem welche auf, kann man sie beim Seitenbetreiber melden. Infos unter www.saferinternet.at/leitfaden„, betont Stiff.

Mit welchen Strafen müssen Täter rechnen?

Wie Rudolf Stiff erklärt, sind Hasspostings bzw Drohungen, um dem eigenen Ärger Luft zu machen, kein Spaß – sie können strafbar sein. In Österreich gibt es zwar kein eigenes Gesetz gegen „Hate Speech“, es können aber verschiedene Strafbestände erfüllt sein, wie bei Verhetzung, Cyber Mobbing oder gefährlicher Drohung.

„Bei einer Gefährlichen Drohung, wenn jemand in Furcht und Unruhe versetzt wird, ist gem. § 107 Abs. 1. Strafgesetzbuch ein Strafrahmen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe festgesetzt. Seit einigen Jahren gibt es ein eigenes Gesetz für „Cybermobbing“. Hier sieht der Paragraf 107 c des Strafgesetzbuches im Absatz 1 ebenfalls den Strafrahmen bis zu einem Jahr vor. Hat die Tat aber den Selbstmord oder Selbstmordversuch der verletzten Person zur Folge, so beträgt der Strafrahmen bis zu drei Jahre“, weiß der Leiter des Kriminalreferates.

Thema: Eltern – Kinder, der richtige Umgang im Internet

Kazianka plädiert in diesem Fall auf die Elternverantwortung, denn Schützlinge werden in der digitalen Welt oft alleine gelassen. „Mir gefällt der Vergleich mit dem Schulweg. Wie lange begleiten Mamas und Papas ihre Kinder auf dem Schulweg in der 1. Klasse, bis sie sich sicher sind, dass ihre Liebsten auch sicher in der Schule ankommen. Ich würde mir eine digitale Begleitung für alle Kinder wünschen. Es zahlt sich eindeutig aus. Denn wenn mein Kind Opfer von digitalem Hass oder Sexting wird, dann geht die Reise für alle los. Oft wollen Kinder/Jugendliche dann nicht mehr in die Schule. Dies ist für alle sehr belastend.“ Tipps und Hilfe zum Thema Altersgrenzen und Spielekonsum bekommen Eltern unter saferinternet.at

Aus der offensichtlichen Anonymität heraus glaubt man stark zu sein. Für mich sind starke Menschen, die Kritik sachlich und ehrlich vorbringen und dem Menschen dabei in die Augen sehen. Seine Emotion wahrnehmen. Denn eines darf man nie vergessen: Ein falscher Klick kann Leben zerstören.

Rudolf Stiff zum Thema „Die Täter“

Informationsveranstaltung im Bezirk

Am morgigen Montag, den 17. Februar ab 19 Uhr, findet in der Neuen Burg Völkermarkt die gratis Veranstaltung „Digitale Gesprächskultur und ihre Gefahren und Folgen“ statt. Mehr dazu mit einem klick auf diesen Link: https://vk24.at/20200214415/du-bist-das-allerletzte-wie-hass-im-netz-leben-zerstoert/

Weitere Links zu Beratungsstellen: www.zara.or.at  , office@beratungsstelleextremismus.at, www.stopline.at , 147-Rat auf Draht

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Geschrieben am: 16.02.2020 19:58 Uhr

  • Quelle: Rudolf Stiff, Günther Kazianka, VK24
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