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Verbund: Eröffnung der höchsten Fischtreppe Europas

Gallizien

Das Kraftwerk Annabrücke an der Drau wurde 40 Jahre nach seiner Errichtung mit einer neuen Fischwanderhilfe aufgerüstet. In der videoüberwachten Anlage, bestehend aus 172 kleinen Pools, können Fische stromauf- und abwärts schwimmen.

Bei der gestrigen Eröffnung vor Ort waren unter anderem die Verbund-Projektleiterin Sabine Käfer, Galliziens Bürgermeister Hannes Mak, Bürgermeister Stefan Deutschmann aus der Marktgemeinde Grafenstein, Karl Heinz Gruber (Geschäftsführer, VERBUND Hydro Power GmbH), Achim Kaspar (Mitglied des Vorstandes, VERBUND AG), Landtagspräsident Reinhard Rohr, Landesrat Daniel Fellner sowie Sektionschef Günter Liebel vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.

„Als Österreichs größter Wasserkraft-Betreiber wissen wir um unsere Verantwortung für die Umwelt und beweisen seit Jahrzehnten mit Spitzenleistungen die Vereinbarkeit aller Anforderungen. Wo es möglich ist, setzen wir mit unseren Partnern auch in dieser schwierigen Zeit unsere langfristigen Pläne zur Verbesserung der Ökologie an Österreichs Flüssen um. Mit unseren Maßnahmen setzen wir neue Maßstäbe in Europa, 2018 mit der längsten Fischwanderhilfe und nun 2020 mit der höchsten Fischwanderhilfe“, so Achim Kaspar, zuständiges Vorstandsmitglied für die Erzeugung bei VERBUND. Rund 280 Millionen Euro investierte der VERBUND in die Ökologisierung seiner über 130 Wasserkraftwerke und liefert damit auch wertvolle Beiträge für die Konjunkturbelebung.

„Die neue Fischwanderhilfe in Annabrücke überwindet 26 Höhenmeter und ist damit die höchste Europas. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus hat das Projekt mit 450.000 Euro gefördert,“ betont Bundesministerin Elisabeth Köstinger anlässlich der feierlichen Eröffnung.

Auch Landtagspräsident Reinhart Rohr äußerte sich zufrieden: „Nicht nur mit den Fischen, sondern auch mit dem Umweltschutz geht es aufwärts in Kärnten! In meiner Zeit als Umweltreferent des Landes Kärnten bis 2010 habe ich erste Akzente in diesem Bereich gesetzt. Jetzt, zehn Jahre später, ist ganz Kärnten stolz darauf, die höchste Fischwanderhilfe Europas eröffnen zu dürfen. Die Nutzung der Natur bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse ist der zukunftsträchtige Weg für ein nachhaltiges Kärnten – mit diesem Projekt sind wir wieder einen entscheidenden Schritt weiter.“

Baustelle der Fischwanderhilfe Annabrücke ©VERBUND

28 Millionen Euro für barrierefreie Kraftwerke in Kärnten

Mit der Inbetriebnahme der Fischwanderhilfe beim Kraftwerk Annabrücke sind acht der zehn Draukraftwerke wieder fischpassierbar. Die vollständige Durchgängigkeit über eine Strecke von 260 Kilometer soll bis 2022 möglich werden. Inklusive Planung und Monitoring-Maßnahmen entfallen davon 3,5 Mio. Euro auf die Fischwanderhilfe Annabrücke.

Neue Maßstäbe in der baulichen Umsetzung

26 Meter beträgt der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterseite des Draukraftwerks Annabrücke. Damit Fische diese Höhe überwinden können, braucht es ein aufwändiges System von 172 Betonbecken und 21 Ruhepools. Die Beckenstruktur ist speziell für das Fischartenspektrum der Drau ausgelegt und zeichnet sich durch sehr geringe Fließgeschwindigkeiten in den einzelnen Bereichen aus. Durch den Doppelschlitz wird die Wasserbewegung konstant ruhig gehalten. So sparen die Fische Kraft. Die natürliche Flusssohle in der Fischwanderhilfe ist ein wertvoller Lebensraum für Mikroorganismen und kleinste Lebewesen wie zum Beispiel Larven und Fischnährtiere. Die Fischwanderhilfe ist eigentlich ein Migrationskorridor, da alle aquatischen Lebewesen diese Strecke nutzen können. 

Panorama der Fischwanderhilfe Annabrücke ©VERBUND

Besonders wichtig ist die Aufstiegshilfe für die sogenannten Mittelstreckenwanderer unter den Fischen, die ausgedehnte flussaufwärts gerichtete Laichwanderungen bis zu mehreren 100 Kilometer durchführen, um geeignete Laichplätze zu finden und anschließend wieder ihre ursprünglichen Lebensräume flussabwärts aufsuchen. 

Funktionskontrolle läuft erfolgreich

Jede Fischwanderhilfe an der Drau wird nach ihrer Fertigstellung durch ein umfangreiches fischökologisches Monitoring überprüft. Dabei erfolgt unter anderem die Erfassung der Fischwanderung mittels Videomonitoring berührungslos, stressfrei und ohne Störung für die Fische. Von jedem Fisch, der die Fischwanderhilfen besucht, gibt es eine kurze Videosequenz. Der genaue Zeitpunkt, die Fischart, die Länge und die Richtung (Auf- oder Abstieg) werden bestimmt und in einer Datenbank gespeichert. 

Insgesamt wurden bislang mehrere 100.000 Fische aufgezeichnet. Damit konnte nachgewiesen werden, dass alle in der Drau vorkommenden Fischarten, darunter auch schwimmschwache Klein- und Jungfische, die Fischwanderhilfen bereits erfolgreich durchwandern. Besonders erfreulich ist die dokumentierte Aufwärtswanderung des „Bemessungsfisches“. So wurden bereits mehrere Welse mit Längen über 120 Zentimeter registriert.

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Geschrieben am: 29.09.2020 07:21 Uhr

  • Quelle: Verbund
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