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Wirtschaft

Privatkonkurs und Unternehmensinsolvenz in Kärnten: Die Hochrechnung für 2020

Das Jahr 2020: Heute veröffentlichte der KSV1870 einen Rückblick der Jahresinsolvenzstatistik aus Kärnten. Hier die Hochrechnung vom 16. Dezember 2020.

Privatkonkurse in Kärnten

Österreichweit ist die Zahl der Privatkonkurse gegenüber 2019 um fast 22 Prozent gesunken, Kärnten verzeichnet mit einem Rückgang von 14 Prozent das geringste Minus. Waren es zur Jahresmitte noch 28 Prozent weniger Privatkonkurse, fällt die Hochrechnung zum Jahresende mit rund 14 Prozent deutlich geringer aus.

Im Jahr 2020 wurden in Kärnten insgesamt 603 Insolvenzverfahren über Privatpersonen eröffnet. „Im Jahresverlauf haben sich die Ausreißer, welche zur Gänze dem Corona-bedingten Ausnahmezustand geschuldet sind, wieder normalisiert“, berichtet Barbara Wiesler-Hofer, Leiterin des KSV1870 Standortes Klagenfurt. Die Verbindlichkeiten von 98 Millionen Euro sind gegenüber dem Vorjahr relativ gleich geblieben (-1 %). „Die Passiva wurden durch ein Großverfahren eines ehemaligen Selbständigen in die Höhe getrieben“, so Wiesler-Hofer. Ohne dieses Großverfahren wären die Passiva gegenüber 2019 um 18 Prozent gesunken.

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sind für viele aktuell eine besondere finanzielle Belastung, jedoch gleichzeitig auch ein viel zu kurz gefasster Versuch einer Erklärung für einen Privatkonkurs. „Private Schulden bauen sich erfahrungsgemäß über Jahre hinweg auf, weshalb aktuelle Konkurse nicht unbedingt ausschließlich der Corona-Krise zuzuschreiben sind. Die tatsächlichen Folgen der aktuellen Krise werden wir erst in Zukunft sehen“, erklärt Wiesler-Hofer.

KSV1870-Ausblick auf 2021

Es ist davon auszugehen, dass sobald das bewährte System, insbesondere die persönliche Schuldnerberatung, wieder in vollem Umfang möglich ist, auch die Zahl der Privatkonkurse wieder steigen wird. Jedoch ist nicht von einer Welle an privaten Pleiten auszugehen. „Wir beobachten aktuell ein bekanntes Phänomen: In Zeiten in denen es der Wirtschaft nicht so gut geht, steigen vor allem deshalb die Privatpleiten nicht, weil Konsumenten im Umgang mit ihrem Geld vorsichtiger sind. Mehr private Verschuldung kommt eher in Zeiten vor, in denen es uns besser geht“, so Wiesler-Hofer über die aktuelle Situation.

©KSV 1870

Unternehmensinsolvenz in Kärnten

„Im Jahr 2020 wurden in Kärnten 103 Insolvenzverfahren über Kärntner Unternehmen eröffnet. Zusätzlich führten 80 weitere Insolvenzanträge mangels Vermögens der Schuldner nicht zu eröffneten Verfahren. „Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist damit am tiefsten Stand seit 30 Jahren“, gibt Barbara Wiesler-Hofer zu verstehen.

Kärnten mit viertgrößtem Minus

Im österreichweiten Durchschnitt sind die Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020 um fast 40 Prozent gesunken. Alle Bundesländer verzeichnen Rückgänge: Spitzenreiter sind Oberösterreich und Tirol mit einem Rückgang von jeweils 49,8 Prozent. Kärnten verzeichnet mit 183 insolventen Firmen ein Minus von 43,7 Prozent – das bedeutet um 142 Fälle weniger als im Vorjahr.

KSV1870-Ausblick 2021

Es gab in den vergangenen Monaten einen massiven Eingriff in unser Wirtschaftsleben, wodurch es auch zu einer dramatischen Insolvenzverschleppung kam. Diese künstlich am Leben erhaltenen Unternehmen bieten nun zu Dumpingpreisen an und reißen an sich gesunde Unternehmen in das Verderben mit, da diese nun ebenfalls vergünstigt anbieten müssen. Eines ist aber bereits heute klar: Je länger in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen künstlich am Leben erhalten werden, desto größer wird der gesamte volkswirtschaftliche Schaden sein. Am Ende werden wir vermehrt Insolvenzen erleben, deren Sanierung unmöglich ist, da diese Firmen über keine werthaltigen Aktiva mehr verfügen werden. Der KSV1870 plädiert daher für eine rechtzeitige Sanierung,  bevor es zu spät ist – und das gerade in der jetzigen Situation. „Eine Insolvenz ist in erster Linie die Möglichkeit einer Entschuldung und damit eine zeitnahe Chance auf einen Neubeginn“, so Wiesler-Hofer.

Top 5 der Kärntner Insolvenzen

  • Mandler GmbH (Konkurs) aus Greifenburg mit Passiva von 8,5 Millionen Euro
  • Sun Valley-Privatstiftung (Konkurs) aus Villach mit Passiva von 5,5 Millionen Euro
  • DMC SHOP Holding GmbH (Konkurs) aus Klagenfurt
  • Bau Sztriberny GmbH & Co KG (Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung) aus Reifnitz mit Passiva von jeweils 3,7 Millionen Euro
  • Unterzaucher GmbH (Konkurs) aus Millstatt mit Passiva von 3,2 Millionen Euro
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