Das Buch „Eine Berggemeinde im Wandel“, das vor wenigen Tagen in Diex vorgestellt wurde, ist weit mehr als ein Buch. Es ist ein lebendiges Zeugnis vergangener Zeiten und macht deutlich, wie sehr sich das Leben in der ländlichen Region Kärntens gewandelt hat.
Alles begann damit, dass im Zuge der Schulsanierung in Diex eine äußerst alte Chronik gefunden wurde. Bürgermeister Anton Napetschnig erzählte: „Als ich mir die faszinierenden Seiten des Buches ansah und versuchte, die seinerzeitige Kurrentschrift zu entziffern, bemerkte ich, welch wertvolles und interessantes Buch ich in den Händen hielt. Um den Gemeindebürgern und Interessierten das Lesen der Chroniktexte zu ermöglichen, begab ich mich auf die Suche nach einem Historiker, welcher die alte Kurrentschrift transkribieren kann und daraus auch ein neu gebundenes Buch erstellt. In Kärnten verfügen wir über eine herausragende Persönlichkeit, welche die Geschichte unserer Heimat bestens kennt und für mich sozusagen ein wandelndes Lexikon ist. Daher kontaktierte ich den ehemaligen Direktor des Landesarchivs und Vorsitzenden des Geschichtsvereines Herrn Prof. Dr. Wilhelm Wadl, bei welchem ich nach der Übermittlung der ersten Texte großes Interesse weckte und er mir sofort die volle Unterstützung zusicherte.“
Diex im Wandel der Zeit
Die Chronik erlaubt einen Blick in eine Zeit, in der das Leben in Diex deutlich beschwerlicher war als heute. So ist etwa festgehalten, dass im Jahr 1935 nicht weniger als 313 Kinder die Schule in Diex und ihre Expositur in Grafenbach besuchten, und das bei lediglich vier Klassenräumen. Der tägliche Schulweg war für viele ein echter Kraftakt: Manche Kinder legten täglich über drei Stunden zu Fuß zurück. Noch in den 1950er-Jahren waren Schulbefreiungen für landwirtschaftliche Arbeit keine Seltenheit.
Auch größere gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich wider: 1890 lebten in Diex noch über 2.000 Menschen (Vergleich: heute sind es weniger als 800). Die Chronik berichtet zudem über die großen Umbrüche des 20. Jahrhunderts, etwa die beiden Weltkriege, politische Veränderungen oder das Leben ohne Elektrizität, das in Diex bis in die 1950er-Jahre Realität war. Selbst Naturereignisse wie außergewöhnliche Wetterphänomene, Brandkatastrophen und Unglücksfälle wurden akribisch festgehalten.
Die Buchpräsentation wurde von den Schulkindern der Volksschule Diex mit Liedern, Gedichten und einem Auftritt umrahmt.
Ich wünsche allen viel Spaß und Spannung beim Lesen der damaligen Alltagsgeschichten und betrachten der alten Bilder mit dem Blick in die früheren Zeiten. Möge dieses Buch ein Anreiz sein, sich noch näher mit der Diexer Geschichte zu befassen!
Bürgermeister Anton Napetschnig