Die Zahl der E-Bike-Unfälle in Österreich steigt weiter dramatisch an und Kärnten zählt zu den besonders betroffenen Bundesländern. Im Jahr 2024 mussten laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) rund 9.800 Personen nach E-Bike-Unfällen medizinisch behandelt werden. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit Beginn des E-Bike-Booms im Jahr 2019 hat sich die Zahl der Verletzten mehr als verdoppelt.
Kärnten unter den traurigen Spitzenreitern
Kärnten verzeichnet im laufenden Jahr bereits vier tödliche E-Bike-Unfälle und liegt damit bundesweit an zweiter Stelle hinter Oberösterreich (fünf Todesopfer). Im Vergleich dazu gab es in Niederösterreich und dem Burgenland bislang keine tödlichen E-Bike-Unfälle. Insgesamt kamen in Österreich heuer (bis 27. Juli) bereits mindestens zwölf Menschen bei E-Bike-Unfällen ums Leben.
Helmverzicht häufig fatal
Etwa 80 Prozent der E-Bike-Unfälle passieren laut KFV ohne Fremdeinwirkung. Diese werden vielfach nicht polizeilich erfasst, obwohl die Betroffenen in vielen Fällen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Vor allem ältere Personen sind überproportional betroffen: 58 Prozent der verunfallten E-Bike-Fahrer sind 55 Jahre oder älter.
Der Verzicht auf den Fahrradhelm ist ein weiterer kritischer Faktor. Laut KFV trugen 59 Prozent der tödlich verunglückten E-Bike-Fahrenden keinen Helm. Bei E-Scooter-Fahrern lag der Anteil sogar bei 90 Prozent. Studien zeigen, dass das Risiko für schwere Kopfverletzungen ohne Helm um das Siebenfache steigt.
Herausforderungen beim Umstieg auf das E-Bike
Der Umstieg vom klassischen Fahrrad auf ein E-Bike ist für viele Nutzer mit Herausforderungen verbunden. Eine KFV-Erhebung unter mehr als 1.600 Personen zeigt: Fast 60 Prozent haben Probleme mit dem höheren Gewicht, rund ein Viertel mit dem anderen Bremsverhalten und der rascheren Beschleunigung.
Verkehrssicherheitsexperten fordern Maßnahmen
Angesichts der alarmierenden Zahlen fordert das KFV eine rasche Einführung der Helmpflicht für E-Bikes und E-Scooter sowie verstärkte Bewusstseinsbildung und freiwillige Fahrsicherheitskurse. Auch die Straßeninfrastruktur müsse dringend an die Bedürfnisse des steigenden Radverkehrs angepasst werden.
„Gerade in einem Tourismusland wie Kärnten, wo E-Bikes nicht nur im Alltag, sondern auch im Freizeitverkehr intensiv genutzt werden, braucht es dringend gezielte Maßnahmen zur Unfallvermeidung“, betont Klaus Robatsch vom KFV. „Eine gute Radinfrastruktur und verpflichtende Sicherheitsstandards können Leben retten.“