Kaiser, Marketz und Muser im Gespräch
Erinnerungsjahr 2025: Kärntner und Südtiroler Spitzenvertreter in Tainach
Eine prominent besetzte Diskussionsrunde beschäftigte sich gestern im Bildungshaus Sodalitas in Tainach mit gesellschaftlichen Herausforderungen in Südtirol und Südkärnten. Im Mittelpunkt standen historische Aufarbeitung, aktueller Zusammenhalt und die Rolle der slowenischen Volksgruppe.
Im Rahmen des Erinnerungsjahres 2025 trafen sich am 24. November im Bildungshaus Sodalitas in Tainach hochrangige Vertreter aus Politik, Kirche und Wissenschaft. LH Peter Kaiser, die Bischöfe Ivo Muser und Josef Marketz sowie weitere Gäste diskutierten über gesellschaftliche Herausforderungen in Südtirol und Südkärnten. Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher nahm per Videobotschaft teil, da er kurzfristig zu einem Termin nach Rom musste.
Begrüßt wurden die Gäste von Sodalitas-Rektor Jože Kopeinig und dem aus Gallizien stammenden EURAC-Institutsleiter Günther Rautz. Die Diskussion wurde von Maximilian Fritz moderiert. Für die musikalische Umrahmung sorgte Zlatina Riepl am Klavier.
Europäische Zusammenarbeit und Minderheitenrechte
Peter Kaiser hob in seiner Ansprache die Bedeutung guter Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen im europäischen Ausschuss der Regionen hervor. Er skizzierte die Entwicklungen für die slowenische Volksgruppe in Kärnten, besonders im zweisprachigen Schulwesen und in der Elementarpädagogik. Die Volksgruppe sei zudem ein wichtiger Bestandteil der Kunst und Kultur des Landes.
Aufarbeitung historischer Versäumnisse
Kaiser erinnerte auch daran, dass Kärnten den vertriebenen slowenischen Familien nach 1945 kein Gefühl des Heimkommens vermittelt habe. Der Artikel 7 des Staatsvertrages sei schleppend umgesetzt worden, und der Ortstafelsturm habe einen schweren Rückschritt dargestellt. Erst nach Höchstgerichtsentscheidungen und intensiver Arbeit der Konsensgruppe sei es zum Ortstafelkompromiss gekommen. Heute seien Österreich und Slowenien in der EU näher zusammengerückt.
Im Hinblick auf das Erinnerungsjahr unterstrich Kaiser, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei. Ausstellungen wie „Hinschaun! Poglejmo“ im kärnten.museum hätten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Angesichts globaler Entwicklungen sei Wachsamkeit notwendig, um die liberale Demokratie zu schützen.
Komaptscher: Minderheitenrechte als Menschenrechte
In seiner Videobotschaft betonte Landeshauptmann Kompatscher die Bedeutung von Zuversicht und Optimismus. Er erinnerte an die Autonomiegarantien für Südtirol im Pariser Vertrag von 1946 und die Rolle des österreichischen Staatsvertrags 1955. Mit dem EU-Beitritt Österreichs sei die Grenze am Brenner faktisch überwunden worden. Minderheitenrechte seien für ihn klar Menschenrechte, Vielfalt ein Mehrwert.
Kirche als Raum der Identität
Bischof Marketz erklärte, dass die slowenische Sprache und Kultur einen Schatz darstellen. Die Kirche wolle aktiv an einem guten Miteinander in Kärnten mitwirken und habe historisch eine zentrale Rolle für die slowenische Volksgruppe gespielt, besonders als Ort der Identitätspflege. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, auch die kirchliche Vergangenheit in der NS-Zeit kritisch aufzuarbeiten.
Erfahrungen aus Südtirol
Bischof Muser ging auf die Auswirkungen der Option unter der faschistischen italienischen Regierung ein, die Familien und Gemeinden spaltete. Während der Italienisierung sei der Religionsunterricht oft der einzige Ort für die deutsche Sprache gewesen. Nach dem Krieg sei es um Autonomie und den Erhalt der deutschen und ladinischen Sprache gegangen. Die Kirche habe allen drei Sprachgruppen Heimat geboten.
Online: 25.11.2025 - 10:39
