Geschichtsverein für Kärnten veröffentlicht Forschungsband
Archäologie entlang der Koralmbahn: Buch zeigt spektakuläre Funde im Bezirk Völkermarkt
Die Koralmbahn ist nicht nur ein Meilenstein für die Mobilität, sondern auch ein einzigartiger archäologischer Schnitt durch Jahrtausende regionaler Geschichte. Im Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten ist nun ein Buch erschienen, das die bedeutendsten Entdeckungen dieser Grabungen erstmals zusammenfasst.
Wenn am 14. Dezember erstmals Züge in nur 41 Minuten zwischen Klagenfurt und Graz verkehren, liegt unter der neuen Bahnstrecke weit mehr verborgen als moderne Technik. Die 130 Kilometer lange Verbindung zählt zum längsten archäologischen Schnitt im Südosten Österreichs. Rund zwei Jahrzehnte lang begleiteten Archäologen die Arbeiten und entdeckten allein in Kärnten 1.300 Objekte sowie mehr als 7.000 Konvolute und Artefakte. Der Geschichtsverein für Kärnten hat diese Funde nun in einem neuen Buch dokumentiert.
Neues Buch im Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten
Der Band mit dem Titel „Archäologie der Koralmbahn“ ist im Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten erschienen. Die Publikation kostet 18 Euro und ist sowohl im Buchhandel als auch direkt beim Geschichtsverein erhältlich. Begleitet wird das Erscheinen von einer Sonderschau im kärnten.museum in Klagenfurt, die von 5. Dezember 2025 bis 5. April 2026 zu sehen sein wird. Zudem findet am 4. Dezember ein Symposium statt, das vom Landesmuseum für Kärnten gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt und dem Universalmuseum Joanneum veranstaltet wird.
Spektakuläre Funde: Vom Bronzehort bis zum keltischen Gräberfeld
Zu den eindrucksvollsten Entdeckungen gehört ein Bronzehort aus der Zeit um 1.400 bis 1.300 vor Christus. In Eis bei Ruden kamen unter einem Stein bronzene Waffen, Werkzeuge, Schmuck und Kupferwerkstoff zum Vorschein. Archäologin Renate Jernej, Vorstandsmitglied im Geschichtsverein für Kärnten und Mitautorin des Buches, berichtet von weiteren herausragenden Fundstätten. Besonders hervorzuheben ist ein keltisches Gräberfeld im Granitztal, in dem 62 Gräber aus der Zeit zwischen 250 und 150 vor Christus ausgegraben wurden. Unter den Grabbeigaben befanden sich Fibeln, Schmuckreifen und sogar Schwerter.
Ein Dorf aus der Stein- und Bronzezeit bei St. Paul
Die Publikation zeigt auch, dass im heutigen Bereich des Bahnhofs St. Paul im Lavanttal bereits vor 4.500 Jahren Menschen lebten. Gefundene Keramikfragmente, Hausreste und Gräber belegen, dass sich hier über rund 1.000 Jahre ein dauerhaftes Dorf entwickelte. Die Grabungen entlang der Koralmbahn ermöglichen damit einen seltenen Einblick in die Besiedlungsgeschichte dieser Region.
Römische Spuren bei Srejach und Kühnsdorf
Etwa 2.000 Jahre alt sind die Überreste einer römischen Villa bei Srejach, die um das Jahr 300 nach Christus durch einen Brand zerstört wurde. In Kühnsdorf stießen Archäologinnen und Archäologen auf römische Gräber, die entlang einer antiken Straße angelegt waren. Ein bis zu einem Meter mächtiger Straßenkörper aus Sand, Lehm, Kies und Steinen wurde ebenfalls freigelegt und gibt Aufschluss über die Infrastruktur jener Zeit.
Frühmittelalterliche Reiterbestattungen
Aus Srejach stammen auch frühmittelalterliche Gräber aus der Zeit um 700 nach Christus, also aus dem slawischen Fürstentum Karantanien. Skelettanalysen zeigten auffällige Deformationen an Hüftknochen, die darauf hindeuten, dass die bestatteten Männer viel Zeit im Sattel verbracht hatten. Auch diese Funde sind im neuen Buch des Geschichtsvereins für Kärnten ausführlich beschrieben.
Online: 27.11.2025 - 09:52
