Die psychische Gesundheitsversorgung in Österreich erhält einen wichtigen Ausbau. Die Österreichische Gesundheitskasse ermöglicht ab 2026 erstmals die klinisch-psychologische Krankenbehandlung als reguläre Kassenleistung. Gemeinsam mit SVS und BVAEB wurde dafür ein bundesweiter Vertrag mit dem Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen abgeschlossen. Damit soll der Zugang zu qualifizierter psychologischer Unterstützung deutlich vereinfacht werden.
120.700 Behandlungseinheiten jährlich
Bislang mussten Versicherte klinisch-psychologische Behandlungen vorfinanzieren und lediglich mit Zuschüssen rechnen. Mit dem neuen Vertrag stehen ab 2026 rund 120.700 Behandlungseinheiten pro Jahr zur Verfügung. Damit entfällt nicht nur die finanzielle Vorleistung der Patienten, sondern es werden auch kürzere Wartezeiten erwartet. Die Behandlungseinheiten werden entsprechend der Bevölkerungsverteilung in ganz Österreich angeboten.
Der Zugang erfolgt ab Frühjahr 2026 über eine zentrale Servicestelle des Berufsverbandes. Versicherte können sich dort registrieren und werden anschließend an qualifizierte Psychologen in der Nähe ihres Wohnortes vermittelt.
Bedeutung für das Gesundheitssystem
Für die Österreichische Gesundheitskasse stellt diese Entscheidung einen Meilenstein in der Weiterentwicklung der psychosozialen Versorgung dar. Die Aufnahme psychologischer Leistungen in das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz im Jahr 2024 war bereits ein wichtiger Schritt. Die nun beschlossene Finanzierung schafft erstmals einen österreichweit einheitlichen Zugang zu klinisch-psychologischer Behandlung.
Allerdings ist die Finanzierung durch den Bund derzeit nur bis 2028 gewährleistet. Die ÖGK kündigt an, sich für eine langfristige Sicherstellung einzusetzen, da der Bedarf an psychischer Versorgung seit Jahren kontinuierlich steigt.
Relevanz für Betroffene
Auch der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen bewertet die Vereinbarung als bedeutenden Fortschritt für die Versorgungssicherheit. Durch die Bereitstellung kostenfreier Behandlungsplätze erhalten Menschen mit psychischen Belastungen künftig einen niederschwelligen Zugang zu qualitätsgesicherter Hilfe. Der Verband sieht darin einen wichtigen Schritt, um psychische Gesundheit in Österreich nachhaltig zu stärken und die Versorgungslandschaft weiterzuentwickeln.