Bei der heutigen Landtagssitzung stand das geplante Großprojekt einer 380 kV Leitung von Osttirol nach Obersielach bei Völkermarkt im Mittelpunkt einer öffentlichen Enquete. Landtagspräsident Andreas Scherwitzl eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit LHStv. Martin Gruber sowie LR Sebastian Schuschnig und LR Peter Reichmann.
Ziel war es, einen sachlichen Überblick über die unterschiedlichen Perspektiven zu bieten. Scherwitzl betonte, dass moderne Infrastruktur entscheidend für technologische Souveränität sei. Er verwies auf die Bedeutung einer stabilen Glasfaser und Energieversorgung, die über den technologischen Rückstand oder Fortschritt einer Region entscheidet.
Politik zwischen Naturschutz und Sicherheit für die Bevölkerung
Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig unterstrich die Notwendigkeit, sowohl Menschen als auch Natur zu berücksichtigen. Er kritisierte die derzeitige Trassenauswahl, die nach seiner Ansicht zu sehr an Siedlungsgebiete heranrücke, um Naturschutzflächen zu schonen. Schuschnig erklärte, dass Naturschutzgebiete eine Leitung grundsätzlich verkraften können und forderte, wo notwendig Anpassungen zu ermöglichen. Für ihn habe der Schutz der Bevölkerung Vorrang gegenüber dem Schutz von Amphibien und Insekten.
Experten weisen auf Bedeutung für Strompreise und Versorgungssicherheit hin
Thomas Kienberger von der Montanuniversität Leoben betonte die zentrale Rolle eines starken Netzes für stabile und konkurrenzfähige Strompreise. Ein Ausbau reduziere Ungleichheiten im europäischen Strommarkt und senke den Bedarf an Eingriffen ins Netz. Für den Abschnitt zwischen Obersielach und Lienz sieht Kienberger eine Maßnahme, die aus technologischer und wirtschaftlicher Sicht in allen untersuchten Szenarien sinnvoll sei.
©LPD/Helge Bauer
Unternehmensberater Peter Unterluggauer rückte wirtschaftliche Fragen in den Fokus. Er sprach sich für eine Neuplanung der österreichischen Energiewende aus und verwies auf stagnierende Stromverbräuche seit 2018. Statt eines aus seiner Sicht überdimensionierten 380 kV Projekts sollte Kärnten die bestehende 220 kV Leitung aufrüsten.
Gesundheitliche Aspekte aus medizinischer Sicht
Humanmediziner und Amtsarzt Michael Jungwirth thematisierte die gesundheitlichen Auswirkungen. Er stellte klar, dass nicht die Leitung selbst die größte Gefahr darstellt, sondern ein möglicher Stromausfall. Ein Blackout sei eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit. Daher brauche es ein stabiles und leistungsfähiges Netz, das ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erzeugern und Abnehmern sicherstellt.
©LPD/Helge Bauer
Bürgerinitiative fordert Ausbau der bestehenden Trasse
Michael Steiner, Sprecher der Bürgerinitiative „Anrainerprotest gegen 380 kV“, präsentierte die Sicht der betroffenen Bevölkerung. Die Initiative setzt sich für den Erhalt des Lebensraums und den Schutz sensibler Gebiete ein. Steiner plädierte für eine bedarfsorientierte Verstärkung der bestehenden 220 kV Leitung, für eine Verkabelung in besonders sensiblen Bereichen sowie für Alternativen wie dezentrale Stromspeicherung.
©LPD/Helge Bauer