Die Liste der Insolvenzursachen ist lang. Gestiegene Energie und Rohstoffpreise, eine anhaltend hohe Inflation sowie die Konsumzurückhaltung der Bevölkerung belasten viele Betriebe erheblich. Zahlreiche Unternehmen sind hoch verschuldet und erhalten kaum neue Kredite oder bestehende Kreditlinien werdennicht verlängert. Diese Kombination führt dazu, dass selbst grundsätzlich gesunde Betriebe zunehmend in finanzielle Schieflage geraten.
375 Firmenpleiten im Jahr 2025
Im Jahr 2025 wurden in Kärnten insgesamt 375 Firmeninsolvenzen registriert. Das entspricht einem minimalen Anstieg von 0,54 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bleibt das Insolvenzniveau auf ähnlich hohem Stand wie 2024 und deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
Bei den am Landesgericht eröffneten Verfahren kam es zu einem leichten Rückgang auf 216 Fälle. Auffällig ist jedoch die starke Verschiebung innerhalb des Jahres. Während im ersten Halbjahr vor allem große Unternehmen mit hohen Verbindlichkeiten betroffen waren, ging die Zahl der eröffneten Verfahren im zweiten Halbjahr um 40 Prozent zurück.
Keine Mega-Pleiten, aber hohe Gesamtschulden
Großinsolvenzen in der Dimension der ASAP-Gruppe aus dem Jahr 2024 blieben 2025 zwar aus, dennoch summierten sich die Gesamtverbindlichkeiten auf rund 231,9 Millionen Euro. Insgesamt waren 898 Arbeitnehmer von Firmenpleiten betroffen.
Immobilien und Bau besonders betroffen
Das hohe Insolvenzniveau zieht sich durch alle Wirtschaftsbereiche. Besonders stark stiegen die Fallzahlen in der Immobilienbranche, die ihre Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte. Auch die Baubranche verzeichnete einen deutlichen Anstieg, ebenso der Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen.
Rückgänge gab es hingegen in der Gastronomie und Hotellerie sowie im Handel. Dennoch bleiben Handel, Bau und Gastronomie die Branchen mit den meisten Insolvenzfällen in Kärnten.
Mehr Privatinsolvenzen in Kärnten
Auch bei Privatpersonen nahm die Verschuldung weiter zu. Die Zahl der Privatinsolvenzen stieg 2025 auf 687 Fälle und damit um mehr als vier Prozent. Besonders deutlich nahm die Zahl der mangels Masse abgewiesenen Verfahren zu. Die durchschnittliche Verschuldung sank leicht auf 87.400 Euro. Auffällig ist zudem der steigende Anteil von Frauen bei den Privatinsolvenzen, während der Männeranteil zurückging.
Keine Entspannung in Sicht
Der Alpenländische Kreditorenverband rechnet auch für 2026 mit keiner wesentlichen Verbesserung. Die wirtschaftliche Schwäche, erschwerte Kreditvergaben und steigende Arbeitslosenzahlen belasten weiterhin Unternehmen und private Haushalte. Bei den Firmeninsolvenzen wird ein ähnlich hohes Niveau wie 2025 erwartet. Bei den Privatinsolvenzen rechnet der AKV sogar mit einem weiteren Anstieg auf rund 700 Fälle.