Eine aktuelle Studie der Montanuniversität Leoben zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Lithiumbatterien landen im Restmüll. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) warnt vor steigenden Brandgefahren in der Abfallwirtschaft und fordert zusätzliche Maßnahmen.
Kärnten – Laut einer aktuellen Untersuchung der Montanuniversität Leoben befinden sich durchschnittlich acht Lithiumbatterien pro Tonne Restmüll. Hochgerechnet entspricht das rund 70 Lithiumbatterien in einem Müllsammelfahrzeug mit einer Ladekapazität von etwa 8,5 Tonnen.
Besonders alarmierend: Die Zahl der falsch entsorgten Lithiumbatterien hat sich innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Die Forscher sprechen von einer deutlichen Verschärfung der Risikosituation, da beschädigte oder erhitzte Lithiumbatterien Brände auslösen können.
Brände in der Abfallwirtschaft nehmen zu
Für die Studie wurden mehr als 1.000 öffentlich bekannte Brandereignisse aus den vergangenen 18 Jahren ausgewertet. Laut den Forschern steigt nicht nur die Zahl der Brände, sondern auch deren Ausmaß.
Thomas Nigl von der Montanuniversität Leoben erklärt, dass jährlich rund 17 Millionen Lithiumbatterien im österreichischen Restmüll landen. Besonders in den vergangenen beiden Jahren seien die Brandereignisse deutlich stärker angestiegen als im langfristigen Durchschnitt.
VOEB fordert finanzielle Anreize
Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe sieht die Entwicklung mit Sorge. VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly bezeichnet falsch entsorgte Lithiumbatterien als „tickende Zeitbombe“ für Beschäftigte, Umwelt und Entsorgungsbetriebe.
Allein im vergangenen Jahr dokumentierte der Verband 36 größere Brandereignisse in österreichischen Abfall- und Ressourcenwirtschaftsbetrieben. Trotz umfangreicher Investitionen in Brandschutzmaßnahmen fordert der VOEB zusätzliche Anreize für die korrekte Entsorgung.
Konkret setzt sich der Verband für ein Cashback-System ein. Verbraucher sollen bei der ordnungsgemäßen Rückgabe von Lithiumbatterien eine finanzielle Vergütung erhalten.
Einweg-E-Zigaretten und Spielzeug besonders auffällig
Die Studie zeigt zudem, dass vor allem Produkte mit fest verbauten Lithium-Ionen-Akkus häufig im Restmüll landen. Dazu zählen unter anderem Einweg-E-Zigaretten, blinkendes Kinderspielzeug, elektrische Zahnbürsten, Akkugeräte und kleinere Elektrogeräte.
Die Forscher kommen zum Schluss, dass die derzeitigen Sammelsysteme nicht ausreichen, um die steigenden Risiken wirksam einzudämmen. Sie empfehlen unter anderem bessere Informationskampagnen, strengere gesetzliche Maßnahmen und eine stärkere Einbindung der Hersteller.
So werden Lithiumbatterien richtig entsorgt
Lithiumbatterien und Akkus dürfen nicht im Restmüll, Altpapier oder in der Gelben Tonne entsorgt werden. Sie sollten bei Altstoffsammelzentren, Problemstoffsammlungen oder im Handel über entsprechende Sammelboxen zurückgegeben werden.
Zusätzlich wird empfohlen, die Pole vor der Abgabe mit Klebeband gegen Kurzschlüsse zu sichern und beschädigte Akkus keinesfalls weiter zu verwenden.