Für die Studie wurden Konsumenten, Handelsbetriebe sowie Unternehmer in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg befragt. Ziel war es, die wirtschaftliche Situation der Region zu analysieren und Perspektiven für die Weiterentwicklung von Ortskernen und Nahversorgung aufzuzeigen.
Kaufkraft über dem Kärntner Durchschnitt
Trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen weist Unterkärnten weiterhin eine beachtliche Kaufkraft auf. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft liegt bei rund 24.400 Euro pro Einwohner und damit über dem Kärntner Durchschnitt. Allerdings wird ein zunehmender Teil dieser Kaufkraft außerhalb der Region ausgegeben. Neben dem Online-Handel zählen vor allem die Ballungsräume Klagenfurt und Graz zu den stärksten Konkurrenten des regionalen Einzelhandels.
Tourismus als wichtiger Wirtschaftsmotor
Als wichtigster externer Wirtschaftsfaktor wurde der Tourismus identifiziert. Vor allem Tagesgäste und Urlauber sorgen in vielen Gemeinden für zusätzliche Umsätze im Handel. Besonders stark zeigt sich diese Entwicklung im Bezirk Völkermarkt, der mit rund 1,1 Millionen Nächtigungen im Jahr 2025 zu den dynamischsten Tourismusregionen Kärntens zählt. Gegenüber dem Jahr 2015 entspricht dies einem Plus von 18,3 Prozent.
Tourismusmotor des Bezirks bleibt die Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See. Dort wurden im vergangenen Jahr rund 833.900 Nächtigungen registriert. Das entspricht etwa drei Vierteln aller Nächtigungen im Bezirk. Die touristische Intensität liegt im Bezirk Völkermarkt bei 26,3 Nächtigungen pro Einwohner und damit deutlich über dem Kärntner und österreichischen Durchschnitt.
Die Studie sieht im Tourismus daher großes Potenzial für den regionalen Handel. Gäste könnten künftig noch stärker für Einkäufe in den Ortszentren gewonnen werden.
Der Tourismus bietet enormes Potenzial für den regionalen Handel. Dieses Potenzial muss künftig noch stärker genutzt und in Wertschöpfung für die Ortszentren umgewandelt werden.
Wirtschaftskammer Kärnten Bezirksstellenobmann Rudolf Bredschneider
Online-Handel erhöht den Wettbewerbsdruck
Gleichzeitig zeigt die Analyse Handlungsbedarf bei der Wettbewerbsfähigkeit vieler Handelsbetriebe. Ein Teil der Unternehmen sieht sich durch den Online-Handel zunehmend unter Druck. Zudem nutzen zahlreiche Betriebe digitale Verkaufs- und Marketinginstrumente bislang nur eingeschränkt. Die Studienergebnisse zeigen, dass viele Unternehmen ihre digitale Präsenz noch ausbauen könnten, um neue Kundengruppen zu erreichen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.
Neue Ideen für Ortszentren gefragt
Auch die Ortszentren stehen vor Herausforderungen. Zwar werden die infrastrukturellen Rahmenbedingungen in vielen Gemeinden positiv bewertet, dennoch gibt es Leerstände und Entwicklungspotenzial in den Ortskernen. Die Studienautoren empfehlen daher neue Ansätze im Leerstandsmanagement, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden sowie gezielte Maßnahmen zur Digitalisierung und Vermarktung.
Gemeinsam die Zukunft gestalten
Die Verantwortlichen sehen die Ergebnisse als wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung der Region. Nun seien Gemeinden, Wirtschaft und Politik gefordert, gemeinsam Maßnahmen umzusetzen, um die Orts- und Stadtkerne langfristig als attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume zu erhalten.