Südkärnten – Seit die Koralmbahn Kärnten und die Steiermark näher zusammenrücken lässt, wird viel über kürzere Fahrzeiten, neue wirtschaftliche Chancen und einen größeren gemeinsamen Arbeitsmarkt gesprochen. Nun gibt es auch erste Zahlen dazu, was die neue Verbindung auf der Straße bewirken könnte.
Auf der A2 sind weniger Autos unterwegs
Eine aktuelle Analyse des VCÖ auf Basis von Asfinag-Daten zeigt: Im ersten Halbjahr 2026 ging der Autoverkehr im Kärntner Koralmkorridor gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,3 Prozent zurück. Im steirischen Abschnitt waren es 3,6 Prozent.
Das fällt vor allem deshalb auf, weil der Rückgang im übrigen österreichischen Autobahn- und Schnellstraßennetz mit 0,6 Prozent wesentlich geringer war. In Kärnten war das Minus damit rund zehnmal so hoch.
Für den VCÖ ist das ein deutliches Signal. „Mehr Bahn bringt weniger Autoverkehr“, sagt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Schon beim Ausbau und bei der Beschleunigung der Westbahnstrecke habe sich gezeigt, dass ein attraktiveres Bahnangebot Autofahrten auf die Schiene verlagern könne.
Nicht alles ist der Koralmbahn zuzuschreiben
Ganz so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Auch außerhalb des Koralmkorridors wurde weniger gefahren. Der VCÖ verweist dabei auf die infolge des Irankriegs gestiegenen Spritpreise, die den Autoverkehr generell gedämpft hätten.
Interessant bleibt dennoch der große Unterschied: Während österreichweit außerhalb des Korridors lediglich ein Minus von 0,6 Prozent registriert wurde, fiel der Rückgang entlang der neuen Bahnverbindung um ein Vielfaches stärker aus.
Für Betriebe wird die Bahn zum Standortthema
Genau hier beginnt die wirtschaftliche Dimension. Die Koralmbahn ist nicht nur eine Alternative für einzelne Autofahrten. Sie verändert auch die Frage, wie Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz erreichen und wie groß der Arbeitsmarkt ist, aus dem Unternehmen Personal gewinnen können.
Der VCÖ sieht deshalb vor allem Betriebe gefordert, die neue Infrastruktur stärker in ihre Mobilitätskonzepte einzubauen. Öffi-Jobtickets, Jobräder oder organisierte Fahrgemeinschaften sind Möglichkeiten, den täglichen Arbeitsweg ohne eigenes Auto attraktiver zu machen.
Potenzial gibt es reichlich: Laut Umweltbundesamt sitzen in einem Pkw in Österreich durchschnittlich nur 1,14 Personen. Um 100 Menschen zu transportieren, sind damit im Schnitt 88 Autos unterwegs.
Auch der Tourismus kann profitieren
Ähnlich sieht es im Freizeitverkehr aus. Wenn Ausflugsziele und Tourismusbetriebe gut mit Bahn und öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, muss diese Möglichkeit für Gäste auch einfach sichtbar sein.
Der VCÖ schlägt etwa Vergünstigungen, Gutscheine oder andere Vorteile für Gäste vor, die öffentlich anreisen. Gerade entlang der neuen Verbindung zwischen Kärnten und der Steiermark könnte daraus ein zusätzlicher touristischer Vorteil entstehen.
Beim Lkw-Verkehr sieht es anders aus
Während beim Pkw-Verkehr ein Rückgang sichtbar ist, entwickelt sich der Güterverkehr in die andere Richtung. An 91 Prozent der untersuchten Zählstellen am Kärntner Autobahn- und Schnellstraßennetz nahm der Lkw-Verkehr im ersten Halbjahr zu. Beim Autoverkehr wurde dagegen an 53 Prozent der Zählstellen ein Rückgang festgestellt.
Besonders stark belastet bleibt die A2 bei Pörtschach Ost. Dort wurden im ersten Halbjahr rund 7,5 Millionen Fahrzeuge gezählt. 89 Prozent davon waren Pkw.
Die nächste Aufgabe liegt abseits der Personenbahn
Für den VCÖ liegt deshalb auch im Güterverkehr noch erhebliches Potenzial auf der Schiene. Eine wichtige Rolle könnten betriebliche Gleisanschlüsse spielen, über die Unternehmen Waren direkt per Bahn transportieren können.
Damit zeigt sich wenige Monate nach dem Start der neuen Verkehrsachse ein interessantes Bild: Beim Personenverkehr sprechen die ersten Zahlen für eine Verschiebung von der Straße zur Schiene. Ob daraus ein langfristiger Trend wird, hängt aber nicht allein von der Koralmbahn ab. Entscheidend wird auch sein, was Unternehmen, Tourismus und Politik aus der neuen Erreichbarkeit machen.