Hoch über dem ehemaligen Überschwemmungsgebiet der Drau steht ein Bauwerk, das eng mit der Geschichte des Ortes Peratschitzen verbunden ist. Der barocke Bildstock wurde im Jahr 1727 errichtet und ist damit mittlerweile fast 300 Jahre alt. Für die Bewohner von Peratschitzen ist er jedoch weit mehr als ein historisches Denkmal: Bis heute ist er Treffpunkt bei kirchlichen und örtlichen Veranstaltungen und damit ein fester Bestandteil des Dorflebens.
Eine Feuerkatastrophe als Ursprung
Die Entstehung des Bildstocks geht laut Überlieferung auf eine verheerende Feuersbrunst im Jahr 1727 zurück. Damals soll beinahe die gesamte Ortschaft den Flammen zum Opfer gefallen sein. Lediglich ein Bauernhof blieb verschont.

Dessen Besitzer soll aus Dankbarkeit versprochen haben, auf einer Anhöhe einen Bildstock errichten zu lassen und jährlich eine Messe zu bezahlen. Aus dieser Überlieferung entwickelte sich auch eine religiöse Tradition: Vom Bildstock aus führte am Florianitag, dem 4. Mai, eine Prozession zur nahe gelegenen Kirche St. Marxen, wo ein Dankgottesdienst gefeiert wurde.
Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten
Auch in seiner Gestaltung besitzt der Bildstock historische Bedeutung. Das barocke Bauwerk verfügt über ein schindelgedecktes Kuppeldach mit Laterne und geschwungenem Dachabschluss. Im Inneren befinden sich mehrere religiöse Darstellungen.
Als besonders wertvoll gilt das geschnitzte Kruzifix, das auf die Zeit um 1500 datiert wird. Zu den weiteren dargestellten Motiven zählen unter anderem der heilige Laurentius, Maria Magdalena, der Evangelist Markus, der heilige Florian, der heilige Nepomuk und das Auge Gottes.

©Varh Fotografie
Bereits in der Vergangenheit wurde der Bildstock immer wieder erhalten und restauriert. Eine umfangreiche künstlerische Erneuerung erfolgte Anfang der 1990er-Jahre. Die Malereien wurden damals erneuert, während das historische Kruzifix erhalten blieb.
Unwetter setzte dem Bildstock schwer zu
Die lange Geschichte hinterließ jedoch ebenso ihre Spuren wie die Witterung. Besonders ein schweres Unwetter im Sommer 2023 setzte dem Bauwerk erheblich zu. Das hölzerne Dach wurde beschädigt, eindringendes Wasser griff das Mauerwerk an und der Verputz begann abzubröckeln. Damit waren auch die Fresken im Inneren gefährdet.

Um den weiteren Verfall zu verhindern, wurde eine umfassende Restaurierung notwendig. Die Dachkonstruktion wurde erneuert und wieder mit Schindeln gedeckt, das Mauerwerk saniert und die Malereien aufgefrischt. Das rund 500 Jahre alte Holzkruzifix konnte dabei erhalten werden.
Florianisänger nahmen sich des Denkmals an
Eine entscheidende Rolle bei der Rettung des Bildstocks übernahmen die Florianisänger Peratschitzen. Gemeinsam mit freiwilligen Helfern und Unterstützern kümmerten sie sich um die Erhaltung des historischen Bauwerks und machten dessen Sanierung zu einem gemeinschaftlichen Projekt.
Damit wurde nicht nur alte Bausubstanz bewahrt. Der Einsatz zeigt auch, welchen Stellenwert der Bildstock für die Bevölkerung von Peratschitzen bis heute besitzt.
Bis heute Mittelpunkt des Dorflebens
Seine Bedeutung zeigt sich besonders bei den wiederkehrenden Veranstaltungen im Ort. Zu Ostern findet beim Bildstock die traditionelle Speisensegnung statt. Auch für die Freiwillige Feuerwehr Peratschitzen ist der Platz von Bedeutung: Bei ihrem Feuerwehrfest wird dort die Feldmesse abgehalten.
So verbindet der Bildstock heute Geschichte, Religion und örtliche Gemeinschaft an einem Platz. Was vor fast 300 Jahren aus Dankbarkeit nach einer Katastrophe entstand, ist über Generationen hinweg ein Teil von Peratschitzen geblieben.
Bildstocksegnung am 13. September
Nach der Restaurierung wird nun auch offiziell gefeiert: Die Florianisänger Peratschitzen laden am Sonntag, dem 13. September 2026, um 11:30 Uhr zur Bildstocksegnung in Peratschitzen ein.
Mit der Segnung wird damit nicht nur der Abschluss der Arbeiten gefeiert, sondern zugleich ein Bauwerk gewürdigt, das die Geschichte der Ortschaft seit dem Jahr 1727 begleitet.