Österreich wächst. Doch nicht, weil hier mehr Kinder geboren werden. Im Gegenteil: Seit 2020 sterben jedes Jahr mehr Menschen, als geboren werden. Dass die Bevölkerung trotzdem weiter zunimmt, liegt ausschließlich an der Zuwanderung.
Wie stark sich Österreich dadurch verändert hat, zeigt eine aktuelle Auswertung von Statistik Austria. Rund 2,55 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund lebten im Jahresdurchschnitt 2025 in Österreich. Das entspricht 28 Prozent der Bevölkerung. 2010 waren es noch 1,52 Millionen Menschen. Der Anteil ist damit innerhalb von 15 Jahren um zehn Prozentpunkte gestiegen.
Drei von vier fühlen sich Österreich zugehörig
Interessant wird es, wenn man nicht nur auf die Bevölkerungszahlen schaut, sondern darauf, wie sich die Menschen selbst sehen. Die große Mehrheit der Zugewanderten fühlt sich Österreich verbunden. 75 Prozent der im Ausland Geborenen sagen, dass sie sich Österreich zugehörig fühlen.
Besonders hoch ist dieser Wert bei Menschen aus Syrien. 83 Prozent fühlen sich Österreich zugehörig. Bei den in Afghanistan Geborenen sind es 80 Prozent. Am niedrigsten liegt der Wert bei den in der Ukraine Geborenen. Aber auch dort fühlen sich immerhin 66 Prozent Österreich verbunden.
Gleichzeitig bleibt bei vielen die Verbindung zur alten Heimat bestehen. 47 Prozent der im Ausland Geborenen fühlen sich auch ihrem Herkunftsland verbunden. Bei Menschen aus der Ukraine sind es sogar 58 Prozent.
Ein Unterschied, der aufhorchen lässt
Besonders auffällig ist allerdings die Frage nach dem Zusammenleben. Nur 27 Prozent der in Österreich geborenen Bevölkerung beurteilen das Miteinander zwischen Österreichern und Migranten als „sehr gut“ oder „eher gut“. 37 Prozent sehen es hingegen „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“.
Bei den Zugewanderten fällt das Urteil deutlich positiver aus. 58 Prozent der im Ausland Geborenen bewerten das Zusammenleben positiv. Woran liegt dieser Unterschied?
Eine mögliche Antwort findet sich ebenfalls in der Erhebung. Je häufiger Menschen miteinander in Kontakt kommen, desto positiver fällt ihre Einschätzung aus. Das gilt sowohl für in Österreich Geborene als auch für Zugewanderte. Anders gesagt: Wer sich kennt, sieht den anderen offenbar häufiger differenziert.
Zuwanderung wird auch gebildeter
Auch beim Bildungsniveau zeigt sich eine deutliche Veränderung. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, die höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, ist seit 2010 von 30 auf 23 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Anteil der Hochschulabsolventen von 18 auf 27 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Bei Menschen ohne Migrationshintergrund haben acht Prozent höchstens einen Pflichtschulabschluss, 23 Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss.
Österreich hat also nicht nur mehr Zuwanderung als vor 15 Jahren. Die Menschen, die nach Österreich kommen, weisen im Durchschnitt auch höhere Bildungsabschlüsse auf.
Deutsche weiterhin größte Gruppe
Ein Blick auf die Staatsangehörigkeiten zeigt außerdem, dass Zuwanderung keineswegs nur aus den klassischen Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre besteht.
Am 1. Jänner 2026 lebten knapp 1,9 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Österreich. Die größte Gruppe bilden weiterhin Deutsche mit 242.300 Personen. Es folgen Rumänen mit 157.700, Türken mit 123.400 und Serben mit 122.500. Danach kommen Ungarn, Syrien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, die Ukraine und Polen.
Seit 2010 ist die Zahl der rumänischen Staatsangehörigen am stärksten gestiegen. Auch die Gruppen der syrischen, deutschen, ungarischen und ukrainischen Staatsangehörigen haben deutlich zugenommen.
Die eigentliche Herausforderung beginnt damit erst
Die Zahlen zeigen eine Gesellschaft im Wandel. Österreich wird vielfältiger und ist gleichzeitig demografisch auf Zuwanderung angewiesen. Die neue Migrationserhebung der Statistik Austria zeigt aber auch, dass die Mehrheit der Zugewanderten Österreich nicht als vorübergehende Station betrachtet. Drei Viertel fühlen sich dem Land zugehörig. Gleichzeitig ist die Stimmung unter den hier Geborenen deutlich skeptischer. Genau dieser Unterschied dürfte für die Integrationsdebatte der kommenden Jahre entscheidend sein.
Denn die Frage lautet längst nicht mehr nur, wie viele Menschen nach Österreich kommen. Die entscheidendere Frage ist, wie diese Menschen miteinander leben. Und wenn die aktuelle Statistik einen Hinweis darauf gibt, was dabei helfen könnte, dann ist es vielleicht etwas ziemlich Einfaches: miteinander reden, einander begegnen und tatsächlich Kontakt haben.
Quelle: Statistik Austria, 11. September 2026